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Kontakt:
Dr. Michael Decker, ITAS
Postfach 3640
D-76021 Karlsruhe
Tel: +49 (0)7247 82-2501
Fax: +49 (0)7247 82-4806
NetzwerkTA@itas.fzk.de
 

Jahrestreffen 2007 des Netzwerks

2007 fand das Jahrestreffen in Wien (Clubraum der ÖAW) im Anschluss an die TA'07 statt, also am 5.6.2007.

[Bericht zum Jahrestreffen] von M. Nentwich im ITA-Newsletter 6/07, S. 15

[Bericht zum Jahrestreffen] von M. Decker in TATuP Nr. 2, Juni 2007, S. 140-141

Programm

9:00 Begrüßung
9:15 Hirnforschung als Thema für die Technikfolgenabschätzung
  • Dr. Martin Meyer [CV], Institut für Neuroradiologie des Unversitätsspitals Zürich: Vortrag zum Thema: "Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der Verwendung bildgebender Verfahren in der Kognitions- und Hirnforschung" [Abstract]
  • Dr. Thorsten Galert, M.A. [CV], Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH: Vortrag zum Thema: "Neuroethik und personale Identität" [Abstract]
  • anschließend Diskussion
10:45 Kaffeepause
11:00 NTA-Interna und Organisatorisches
  • Planung der nächsten Konferenz (NTA3) 2008 in Wien
  • Berichte aus dem KT und den NTA-Arbeitsgruppen
  • Allfälliges
12:00 Mittagsbuffet
13:15 Gründung der neuen AG Wikipedia [Aufruf]; siehe bereits [9-Punkteplan, Punkt 6]
14:45 Arbeitstreffen der AG IuK [mehr
17:00 Ende
   

Abstracts

M. Meyer: Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der Verwendung bildgebender Verfahren in der Kognitions- und Hirnforschung

Die Etablierung so genannter bildgebender Verfahren hat in der Kognitions- und Hirnforschung für eine Revolution gesorgt. Zum ersten Mal war es Forschern und Forscherinnen möglich, einen Blick auf das Gehirn in Aktion zu werfen. Dies führte in der Folgezeit zu einem rasanten Anstieg der Anwendung bildgebender Verfahren in Forschung und Klinik. Zurückblickend darf man konstatieren, dass der Gewinn durch den Einsatz dieser Verfahren hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Aber muss dies negativ bewertet werden? Nicht unbedingt, denn diese Entwicklung zeigt, dass die Erwartungen im Hinblick einer Verwendung in der Forensischen Psychologie, in der Psychiatrie oder in der Marktforschung schlicht falsch und überzogen waren. Zur Zeit ist die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen, die sich bildgebender Verfahren bedienen, sogar rückläufig, was auch als Ausdruck einer einsetzenden Qualitätssicherung verstanden werden darf.

Der Vortrag wird einen Überblick über die Entwicklung und Funktionsprinzipien bildgebender Verfahren geben. Dabei werden insbesondere die technischen Grenzen, die generellen Einschränkungen in der Anwendung mit Menschen sowie die zukünftigen Entwicklungen thematisiert. Es sollen aber auch Vorteile und positive Aspekte dieser Techniken zur Sprache kommen, um den unterm Strich erheblichen Fortschritt in den Kognitionswissenschaften , z. B. im Bereich der Lernforschung oder den immensen Gewinn im Bereich der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns innerhalb der letzten Dekade zu dokumentieren.

T. Galert: Neuroethik und personale Identität

Der rasante Erkenntnisgewinn innerhalb der Neurowissenschaften hat in den letzten Jahren neben vielfältigen Hoffnungen auch weit reichende Befürchtungen geweckt. Beispielsweise wird die Entwicklung elektrischer Stimulationstechniken wie der Tiefen Hirnstimulation oder der Transkraniellen Magnetstimulation von der Aussicht auf neue Behandlungsansätze für neurologische und psychiatrische Störungen vorangetrieben. Während diese therapeutischen Anwendungen noch erprobt werden, warnen kritische Stimmen bereits vor den problematischen Folgen einer denkbaren Nutzung solcher Stimulationsverfahren durch Gesunde, die zum Zweck der Verbesserung ihrer Stimmungen oder kognitiven Leistungen in das eigene Gehirn einzugreifen gewillt sein könnten. Die Methoden, Erkenntnisse und Anwendungen der Neurowissenschaften werfen eine solche Fülle normativer Fragen auf, dass es in den letzten Jahren üblich geworden ist, diese einem eigenständigen Teilgebiet der angewandten Ethik, nämlich der "Neuroethik", zuzuschlagen. Der erste Teil des geplanten Vortrags wird einen knappen Überblick zu den in dieser Disziplin behandelten Aufgaben und Problemen geben.

Um exemplarisch zu zeigen, wie nah benachbart im Gebiet der Ethik der Neurowissenschaften blinder Alarmismus und begründete Besorgnis sind, sollen im zweiten Teil des Vortrags die Befürchtungen genauer untersucht werden, denen zufolge Eingriffe in das Gehirn eine "Gefährdung personaler Identität" bedeuten können. Grundsätzlich geht es dabei um die Vermutung, jemand könne sich in der Folge eines Eingriffs am Gehirn so tiefgreifend verändern, dass er in irgendeinem Sinn nicht mehr die Person ist, die er vor dem Eingriff war. Es wird sich allerdings herausstellen, dass noch erheblich mehr begriffliche Klärungsarbeit geleistet werden muss, bevor sich im Sinne einer empirischen Technikfolgenbeurteilung untersuchen lässt, ob verschiedene neurowissenschaftliche Interventionsformen tatsächlich die Identität von Personen gefährden können.

 
© NTA 2005-07; Erstellt am: 12.4.2007; Letzte Änderung: 6.7.2007; Kontakt, Fragen, Kritik: [NTA-WWW-Redaktion]; [Impressum]